Weggemeinschaft Born Bracht Brüggen
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„Brannte uns nicht das Herz in der Brust?“

Kleopas und sein Freund gehen nach den Ostergeschehnissen den Weg nach Emmaus (Lk 24,13-35). Sie teilen miteinander, was sie bewegt; innerlich und äußerlich. Sie gehen gemeinsam und im Gehen löst sich ihr ganzer Schmerz, ihr Unverständnis und ihre Verwirrung. Diesen Fluss der Worte erlebe ich auch immer wieder; wenn ich mit meinem geistlichen Begleiter ein paar Schritte gehe, statt zu sitzen; wenn es darum geht mit einem Freund unterwegs zu sein. Die äußere Bewegung tut mir gut und ich komme innerlich in Bewegung. Nicht immer schon am Ziel, nicht immer schon ausgegoren und fertig mit dem, was ich sagen möchte, aber tastend, Schritt für Schritt entsteht zwischen uns ein Bild von dem, was mir oder dem Anderen gerade auf dem Herzen liegt. Dies ist ein Blick in das Innerste meines Seins. Betrifft mich ganz persönlich und mit dem, was mich ausmacht. Hier ist einer der Orte Gottes in meinem Leben. Weil er mich so ansieht, wie ich bin, weil er erkennen will, was mich im Innersten ausmacht, kommt bei einem solchen gemeinsamen Emmaus-Gang der Blickwinkel Gottes ins Spiel und damit ER selber. Er geht mit uns. Er ist dabei, wenn wir seinen Blickwinkel einnehmen, wenn wir ihm unsere Augen und unsere Ohren leihen. Und wie viel schöner noch, wenn es auch unsere Hände sein dürfen, die seine Zärtlichkeit deutlich machen.

Hier ist nun auch der Ort, um von Gott und meiner Beziehung zu ihm zu reden. Ihn in das Gemälde einzubeziehen, dass wir im Gehen zeichnen und zwischen uns entstehen lassen. Was macht meine Gottesbeziehung aus? Wo bin ich ihm begegnet? Was hat mich so gefesselt, das ich von ihm nicht mehr lassen kann? Warum folge ich diesem Jesus?

Auf dem gemeinsamen Tag der Pfarreiräte in Steyl haben wir mit der Beantwortung dieser Fragen begonnen; in Zweiergruppen – denn wie gesagt, es geht dabei um mein Innerstes. Wertvoll und stärkend ist es, wenn ich an der Gottesbeziehung des Anderen teilhaben darf. Dieser Blick auf die Beziehung ist wahrscheinlich der unverstellteste Blick auf unseren Gott, der ja selber Beziehung ist.

Für mich ist er dieser Vater mit den geöffneten Armen, der mir entgegeneilt und mich umarmt, der mich in Würde kleidet und mich als Sohn annimmt. Dankbar blicke ich auf meine Kindheit zurück, in der ich genau das von meinen Eltern und von Menschen der Kirche erfahren durfte. Sei wer du bist. Lebe dein Leben, das dir von Gott geschenkt worden ist und trage diese Liebe hinaus ins Leben.

So brennt mir das Herz in der Brust, wenn ich erlebe, wie ein Jugendlicher seine Talente entdeckt und einsetzt; wenn ein Mensch erkennt, was ihn ausmacht und sich traut das zu zeigen; wenn jemand seine Angst überwindet und den nächsten Schritt macht; wenn zwei Menschen erkennen, dass sie füreinander da sein wollen; wenn Leben wächst und Menschen groß werden.

Wenn das Leben über den Tod siegt, wie dies am Kreuz durch Jesus Christus ein für allemal geschehen ist. Ihnen und allen, die sie im Herzen tragen, wünsche ich die Erfahrung dieses Sieges und Gottes Segen.

Ihr Pastor Frank Schürkens


Von Alexandra Scherrers

Veröffentlicht am 07.04.2016

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