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Sebastian

Vollbild

 
 

 

Hl. Sebastian

20. Januar

Schon im Schulgottesdienst habe ich fasziniert auf die Gestalt dieses Heiligen geblickt. In der Seitenkapelle meiner Heimatkirche stand hinter dem Altar hervorgehoben eine hölzerne Statue: Sebastian, an einen Baum gefesselt, mit einem Pfeil, der die Brust von der Seite durchbohrt.

Hier ist in einem Bild festgehalten, worauf es bei diesem Heiligen ankommt. Aber vielleicht kurz noch zu seiner Geschichte. Sebastian ist im
3. Jhd. Hauptmann in der Prätorianergarde, der Leibwache des römischen Kaisers. Seinen Glauben hielt er geheim, seine Position machte es ihm aber möglich, seinen christlichen Glaubensgenossen in den römischen Gefängnissen beizustehen. Als Kaiser Diokletian von Sebastians Glauben erfuhr, wurde er hierfür von ihm zum Tode verurteilt und von numidischen Bogenschützen erschossen. Man hielt Sebastian für Tod und ließ ihn daher am Hinrichtungsort zurück. Nachdem die Witwe des Märtyrers Castulus namens Irene Sebastian gesund gepflegt hatte, trat er wiederrum vor den Kaiser und bekannte seinen Glauben. Noch im Palast wurde er erschlagen und seine Leiche in den größten Abwasserkanal Roms, die ‚cloaca maxima’, geworfen.

Der Christin Lucina erschien Sebastian im Traum. Sie holte den Leichnam aus dem Abwasserkanal heraus und bestattete ihn an der Via Appia in Rom im Coemeterium ad Catacumbas, den heutigen Katakomben des Sebastian.

Sebastian ist Schutzpatron gegen die Pest und andere Seuchen und soll die Sauberkeit von Brunnen gewährleisten. Auch ist er Patron der Schützenbruderschaften, Soldaten, Waldarbeiter, Eisenhändler, Gärtner, Töpfer, Gerber, Bürstenbinder, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisen- und Zinngießer, Steinmetze und Leichenträger und neuerdings auch der Homosexuellen.

 

Vieles in seinem Leben ist uns als Legende überliefert, die vor allem Wahrheit transportieren will und nicht historische Genauigkeit. ‚Sebastian steht für die Glaubensüberzeugung, dass es bleibende Werte über den Tod hinaus gibt und eine Würde, die dem Menschen kein Henker nehmen kann. Eine Freiheit, die kein Kerker auszulöschen vermag und die darin bestehen kann, sich das Ja zu einer Überzeugung, zu einem Menschen, zu Gott von keiner Todesdrohung austreiben zu lassen.

Und mit seinem Tod im Palast: Ein wirklich starker Glaube ist nicht totzukriegen. Scheinbar hilflos und ohnmächtig, steht so ein Glaubender fest und kraftvoll da wie Christus am Kreuz oder Sebastian am Baum. Wem es mit seiner Überzeugung ernst ist, der muss bluten, der hat sich auf Nachteile und Konflikte, Verachtung und Verfolgung einzustellen. Er kann aber auch darauf vertrauen, dass Gott an seiner Seite ist.’ (Christian Feldmann)

Aber zurück zum Bild vom Anfang: Sebastian, gefesselt an den Baum des Lebens, wird von den Pfeilen der numidischen Bogenschützen durchbohrt. Der römische Elitesoldat wird von Mitgliedern einer ausländischen Söldnertruppe hingerichtet.

Jeder Pfeil ein Zurückzahlen von ertragener Herabwürdigung? Die Chance den überheblichen Römern mal eins auszuwischen?

Wir haben uns das Erschießen mit Pfeilen abgewöhnt. Und dennoch werden auch wir ständig von Pfeilen getroffen. Pfeilen der Verachtung und der Verurteilung, der Angst und der Gehässigkeit, des Neides und der Missgunst. Sebastian zeigt uns, dass wir in diesen Situationen nicht alleine sind. Wir dürfen darauf hoffen, dass wir vor Gott Gerechtigkeit erfahren werden.

Sebastian steht für den Respekt, den wir einander schulden. Auch die Sternsinger haben in diesem Jahr vor allem für den Respekt gegenüber Kindern geworben und deutlich gemacht, dass in unserer Begegnung mit dem anderen deutlich werden sollte, dass auch er ein geliebtes Kind Gottes ist.

Gegen jede Form der Diskriminierung aufzustehen und sie anzusprechen, ihre Unmenschlichkeit deutlich zu machen, das ist Dienst am Leben, der uns als Christen aufgetragen ist.

Das sich bei Sebastian die Patronate für die Schützen und Soldaten, der Leichenträger und der Homosexuellen vereinen, ist vielleicht auch bedenkenswert...

Pfr. Frank Schürkens


Von Alexandra Scherrers

Veröffentlicht am 21.01.2016

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